Österreich bewirbt sich um einen Sitz im UNO-Sicherheitsrat und braucht jede Stimme. Auch die der Kleinsten. Tuvalu, Fidschi und Co sollen durch Charme, Gefälligkeiten und politische Überzeugung
gewonnen werden.
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Wien – Sollte Österreichs Einzug in den Sicherheitsrat tatsächlich gelingen, dann könnte das auch mit einem Besuch beim Heurigen "Welser" zu tun haben. Eine Gruppe ausländischer Diplomaten
saß Anfang der Woche in dem Döblinger Lokal beisammen und ließ sich vom Außenministerium in Wien verköstigen. Es gab Hühnerkeulen, Topfenstrudel, Smalltalk. Nichts Außergewöhnliches.
Bemerkenswert war aber die Gästeliste: Die Männer in den Maßanzügen vertreten südpazifische Inselstaaten wie Tuvalu, Fidschi, die Salomonen, Samoa, die Marschall-Inseln, Papua-Neuguinea, Tonga
und Palau. Länder ohne politisches Gewicht. Außer bei wichtigen Abstimmungen in der UNO.
Von den 192 Staaten in der UN- Generalversammlung zählen zwölf zu der Gruppe der pazifischen Inselstaaten. Wer die Stimmen dieser Mikroländer – Tuvalu hat 10.000 Einwohner – in der Tasche hat,
verbessert seine Erfolgschancen signifikant. Japan macht keinen Hehl daraus, dass es die Inselstaaten einkauft, wenn es in den Sicherheitsrat will. Und die Salomonen sollen von Italien als
Belohnung für ihre Stimme schlicht die Entsendung eines Fußballtrainers gefordert haben.
"Das Spannende an der UN-Generalversammlung ist eben" , sagt ein Mitarbeiter im Außenministerium, "dass dort eine Großmacht ebenso nur über eine Stimme verfügt wie eine Inselrepublik" . Aber
was kann Wien anbieten, damit Fidschi und Co für Österreich stimmen?
Wirtschaftlich wenig, heimische Firmen interessiert die Region kaum. 2007 betrug die Handelsbilanz zwischen Tonga und Österreich 186 Euro. Das Außenministerium setzt auf Charme, Gefälligkeiten
und geschickte Diplomatie.
Weil die Türkei, einer von Wiens Konkurrenten um den Platz im Sicherheitsrat, die Außenminister der Pazifikinseln im April nach Istanbul einlud, war nun Wien an der Reihe. Ende vergangener
Woche also trafen die Diplomaten aus der Südsee, die ihre Länder bei der UNO in New York vertreten, in Wien ein. Auf dem Programm der Botschafter standen das Europaforum in der Wachau, Treffen
in der UNO-City. Gezeigt wurden auch Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energie. Mit dabei war auch Michael Somare, der Premier Papua- Neuguineas.
"Die Gäste werden gehegt und gepflegt", sagt Hermann Mückler über die Charmestrategie, "und wenn es zur Abstimmung kommt, hoffen wir, dass sie sich daran erinnern." Mückler ist Präsident der
österreichisch-südpazifischen Gesellschaft und einer von zwei Experten die das Außenministerium bei der Akte "Südpazifik" beraten. Mit dabei ist auch der Politikwissenschafter Ingfrid
Schütz-Müller, der die Inseln seit Jahren mit Studenten bereist und über sehr gute Kontakte in die Region verfügt.
Wien wirbt auch mit konkreten Angeboten. Dazu zählt, dass Österreich den Pazifikstaaten finanziell beim Aufbau eines Vertretungsbüros bei der UNO in Wien helfen will. Daneben wird den Inseln
Unterstützung für "digital restitution" angeboten, bei dem Kulturgüter elektronisch archiviert werden. Österreichische Diplomaten betonen auch, dass es für Studierende aus der verarmten Region
Stipendien, etwa für eine Salzburger Tourismusschule, gebe. In Zukunft könnten es mehr werden.
"Die Bewerbung ist natürlich eine Gelegenheit, um dem Südpazifik in Zukunft entwicklungspolitisch mehr Augenmerk zu geben" , sagt Mückler.
Dieser Ansatz ist allerdings strittig: Offiziell gibt es im Außenministerium kein Budget für die Sicherheitsratsbewerbung. Deswegen fürchten die Grünen, dass Entwicklungshilfegelder genutzt
werden. "Es geht nicht, dass wir für unsere Bewerbung unter dem Titel der Entwicklungszusammenarbeit Geschenke verteilen" , sagt die Grün-Politikern Ulrike Lunacek. Bereits 2007 sorgte es für
Aufregung, als der Standard berichtete, dass Österreich einem Inselstaat Schulbusse zugesagt haben soll.
Keine Schulbusse
"Schulbusse haben wir niemandem versprochen" , heißt es im Außenamt. Die Strategie sei vielmehr die nachhaltige Vertiefung der Beziehungen zu den Südseeinseln zu propagieren. Österreich will
daher den Inseln bei der Bewältigung bestimmter Probleme helfen. An vorderster Stelle steht der Klimawandel: Weil der Meeresspiegel steigt, kämpfen einige der Atolle mit Überflutungen.
Salzwasser dringt in die Trinkwasserreservoirs ein.
Wien will daher die Nutzung erneuerbarer Energien unterstützen und den Klimaschutz propagieren. So würde Österreich eine geplante Resolution der Mikrostaaten, wonach sich der UNO-Sicherheitsrat
künftig auch mit Umweltfragen wird auseinandersetzen können, unterstützen. Der Anlass für das Interesse am pazifischen Raum mag die Bewerbung gewesen sein. Auch nach der Abstimmung in der UNO
werde das Engagement nicht enden, beteuert das Außenamt.
Während des Besuchs der Diplomaten soll kein einziges Mal über die Kandidatur Österreichs geredet worden sein. Den Gästen dürfte es gefallen haben: "Wir werden für Österreich stimmen" sagt
Papua- Neuguineas Premier Somare. Und noch ein Tipp des Premiers für alle, die nicht wissen, wo sein Land liegt: "Wir sind nördlich von Australien."