Donnerstag, 15. mai 2008
Michael Steiner und Tom König's Desaster Tätigkeit im Kosovo       

Ende einer unmöglichen Mission
DIE ZEIT, Ausgabe 29, 2003

Von Norbert Mappes-Niediek und Beqë Cufaj | © DIE ZEIT 10.07.2003 Nr.29
Michael Steiner, deutscher Sondergesandter im Kosovo, tritt ab. Zurück bleiben Serben und Albaner, verbunden im Hass. Ein Konflikt, den die aufgeblähte UN-Bürokratie nicht in den Griff bekommt.
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Seit 1991 ist Steiner, nur unterbrochen durch eine kurze Episode in Gerhard Schröders Kanzleramt, auf dem Balkan engagiert gewesen, die vergangenen anderthalb Jahre im Kosovo, wo die Regierung in Belgrad von .
Steiners Hast und Ungeduld gehen vielen Kosovaren auf die Nerven.
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Das Land hat sich bewegt. In Prishtina hat sich jetzt der Inhaber eines Frisiersalons als schwul geoutet – der erste Kosovare überhaupt. Wenn der internationale Wanderzirkus auch nicht als Verwaltung getaugt hat, so doch als Vorbild liberaler Lebensart.

Die UN-Skandale um das Kraftwerkskombinat zeigen Wirkung: Koha ditore, die wichtigste Tageszeitung desKosovos, hat sich einen kleinen Stamm von Enthüllungsjournalisten herangezogen. Die Rechercheure fürchten nicht, wie früher, eingesperrt zu werden, wenn sie unangenehme Wahrheiten veröffentlichen. Sie wagen sich an die mächtigen UN heran und erleben eine Behörde, die sich windet, arrogant schweigt, manchmal lügt. Ganz wie im wirklichen Leben. ....
und die Partygesellschaft applaudierte vergnügt. Serben verübeln Steiner seine albanische Freundin. Aufgrund ihrer früheren Verbundenheit zum Führer der albanischen „Befreiungsarmee“ UÇK, Hashim Thaçi, vermuten Serben ein Komplott.* „Das mit der Freundin ist objektiv von Bedeutung“, glaubt die Serben-Vertreterin Rada Trajkovic, die ansonsten Steiners „Intelligenz“ lobt und zugleich betont, dass sie „die deutsche Art“ im Grunde sehr schätze. Mit seinen Auftritten, meint Trajkovic, erinnere Steiner allerdings „eher an die Deutschen aus dem Jahr 1944“

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http://www.zeit.de/2003/29/Kosovo-Haupttext?page=1

* Ex-Freundin, Nichte, Ex-Geliebte von Hashim Thaci und aus der Drogen
Gangster Familie der Gashi !

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Der internationale Apparat gefiel sich immer besser und wuchs zu so herrschaftlicher Größe, dass niemand mehr danach fragte, wem oder was dieser Apparat dient. Schon 1999 waren die noch am Boden liegenden Parteien eingeladen, ihre Vertreter in die neue „Übergangsregierung“ der UN zu schicken. Ins Bildungsressort entsandten die UN Michael Daxner, einen ehemaligen Rektor der Universität Oldenburg. Von albanischer Seite wurde ein farbloser Parteimann nominiert, der allen Debatten verständnislos zuhörte. Leichtes Spiel hatte Daxner deshalb nicht. Im Gegenteil: Mangels Unterstützung durch einen kundigen Albaner scheiterte der erfahrene deutsche Reformer an den konservativen Professoren im Kosovo. Heute gilt die Universität in Prishtina als Europas traurigste Reformruine der Nachkriegszeit.........


Im UN-System wird bei jeder Mission scharf zwischen locals und internationals unterschieden – und jeder Stamm kriegt seine Posten. „Auf die Personalauswahl hatte kein Kosovare Einfluss“, erzählt Florina Duli, eine Albanerin, die drei Jahre lang im Sekretariat des deutschen Vizesondergesandten Tom Koenigs saß und von Woche zu Woche wütender geworden ist. „Sie dachten, die Albaner hieven doch nur ihre Onkel und Vettern auf die Posten. Genau das aber tun jetzt die internationals: Sie holen mangels Onkel und Vettern ihre Wohnungsvermieter oder die Frau, die sie am Vorabend im Café kennen gelernt haben, und geben ihnen Jobs.“ Als die albanische Sekretärin von Koenigs’ Büro in die Parlamentsverwaltung wechselte, stieß sie dort auf eine Klassenkameradin ihrer 17-jährigen Tochter – das Mädchen hatte eine lohnende Bekanntschaft mit einem Politiker gemacht. „In manchen Behörden“, sagt Duli, „sieht es aus wie im Bordell.“
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Wie auf dem Basar ist es bei der Vergabe von Aufträgen und Consulting-Verträgen zugegangen. Wer immer aus der Mission ausscheidet oder sich als Ausländer lange genug im Dienst einer Hilfsorganisation oder auf eigene Faust in Prishtina durchgeschlagen hat, darf damit rechnen, als „Experte“ angeheuert zu werden. Ein interner Prüfer, der Akten einer internationalen Organisation im Kosovo durchforsten musste, stieß auf schier Unglaubliches: Ein englischer Elektriker kassierte als „Consulter“ eine Tagesgage von 660 Euro. Als der Prüfer einen letzten Blick auf die Rechnung warf, fand er heraus: Die Zahlstelle hatte dem Mann pro Tag 660 Pfund statt 660 Euro überwiesen.

Ein 25-jähriger Amerikaner, der als Freiwilliger ohne Gehalt gekommen war, bekam einen 50000-Dollar-Vertrag dafür, dass er einen Monat lang seinen Nachfolger einwies, und ein Kanadier stellte sogar seine Ehefrau als „Expertin“ ein. „Zehn bis zwanzig Prozent hier“, berichtet der Prüfer, „sind Abenteurer und Kriminelle. Und ein Drittel arbeitet so gut wie überhaupt nicht.“ Der erste „Postminister“ des Kosovos, ein Mann aus Graz, gab für den Aufbau eines Internet-Betreibers 40 Millionen Euro aus. Statt den Auftrag auszuschreiben, fragte er eine Consulting-Firma aus seiner Heimatstadt, die daraufhin eine Software-Firma engagierte, auch die aus Graz.

Interne Untersuchungen verlaufen meistens im Sande. „An Aufklärung hat niemand ein Interesse“, klagt der Prüfer aus Prishtina. Zwar gibt es strenge Regeln für die Ausschreibung, aber sie taugen nichts:
Als Minister für öffentliche Aufgaben und später Aufsichtsratsvorsitzender des Kombinats wurde der Deutsche Jo Hanns Trutschler bestellt. Ein Hochstapler mit gefälschtem Doktortitel, der im Juni in Bochum zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde: Er hatte 4,3 Millionen Euro vom KEK auf ein Konto seiner privaten Firma in Gibraltar geleitet. Vor Gericht gab der Betrüger an, er habe zunächst für eine Baptistinnen-Mission gearbeitet. Die Ermittler verfolgten seine Spur bis zu einer zwischenstaatlichen Management-Organisation, für die er Material zählen musste. Sein Expertentum begründete Trutschler mit guten Kontakten, feinen Manieren, ausreichend Kosovo-Erfahrung und einem beeindruckenden Lebenslauf – gefälscht.

Die UN schoben die Schuld für das Debakel mit dem Kraftwerk, wie oft bei solchen Affären, den Kosovaren in die Schuhe: Nur ein Drittel des gelieferten Stroms werde bezahlt, hieß es – ein wichtiges Argument im blame game, das Albaner und UN einander liefern. Aber der Eindruck, der durchschnittliche Kosovare bezahle seine Rechnungen nicht, ist falsch. Säumig sind vor allem die Großkunden: zum Beispiel die OSZE-Mission oder die russische KFor-Truppe, die das Land mit 300000 Euro Stromschulden verließ. Die Serben im Norden schließlich zahlen aus politischen Gründen nicht.

Zu Michael Steiner: Hat er selbst keine Ziele? „Alle drei Tage hat er eine neue Priorität“, sagt der junge Wissenschaftler. Auf den Fluren der UN-Verwaltung hört sich die Geschichte so an: Michael Steiner, das sei jener Mann, der vieles beginnt und nichts zu Ende bringt.
 
von karl kreibich veröffentlicht in: Politik
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